Ich schlag (K)-ein Rad(t)....

Ich schlag (K)-ein Rad(t)....

 

Eine Krise, eine Lebenskrise, eine Angststörung, eine Depression kommen einfach vorbei. Manchmal leise, manchmal laut, aber immer unaufgefordert. Sie halten sich auch an keine Regeln, an keine Jahreszeit und fragen auch nicht um Erlebnis. Sie sind einfach da und fordern angehört zu werden.

 

Irgendwann gesteht sich der Mensch ein, dass er es ohne Hilfe nicht schafft sich aus dieser Krise zu befreien. Es kostet sehr viel Mut um Hilfe zu beten. Es kostet so unglaublich viel Kraft "schwach" zu sein. Je nach Persönlichkeit zeigen es Menschen auf ganz verschiedene Art und Weise. Der eine krümmt sich und jammert zunächst leise, fordert Gehör und winselt nach Beachtung. "Ich möchte nur verstanden werden - Warum versteht mich keiner?".  Ein anderer baut Mauern um sich. Diese Schutzmauern sollen Stärke signalisieren und doch wer genau hinsieht, erkennt die Verzweiflung hinter diesen Mauern. Ein "Anderer" ertrinkt in seiner Lethargie - ein "Nächster" wird unstet, findet einfach keine Stille mehr.

 

Ratschläge trommeln von allen Seiten heran. Manche klug, andere aggressiv, belehrend oder auch gehaucht. Sie können helfen, nerven, schmerzen, hoffen lassen...

 

"Du musst..." - oder "Lass Dich nicht hängen" - Es gibt viele dieser sinnvollen, unsinnigen Floskeln. Ratschläge, Coachings, Ratgeber... die Welt um uns herum ertrinkt fast in diesem Konvolut von schlauen Köpfen, Wegweisern oder Anleitungen. Ängste umzingeln uns im Alltag. Auch wenn wir nicht Betroffene einer Angststörung sind. Angst ist zum stetigen Begleiter geworden. Es gibt Menschen, die dieses Jahr Angst haben einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Menschen, die Angst haben alt zu werden. Menschen, die Sorge tragen anderen zu Last zu fallen. Menschen, die sich vor anderen Menschen fürchten. Es gibt eine Angst vor dem Leben, Angst vor Armut, Angst vor Gewalt, Angst die Kontrolle zu verlieren. Angst ist allgegenwärtig. Und wagt es jemand auszusprechen, weiß garantiert einer aus dem Umfeld einen klugen Rat.

Hilfe. Hilfe ist ein wichtiges Wort. Wie helfe ich? Kann ich überhaupt helfen? Wann darf ich wie helfen? - Warum helfe ich? - Es ist in der Tat ein sehr komplexes Thema. - Helfen kann jeder. Hinschauen kann auch jeder.

 

Seitdem ich meine Angststörung überwunden habe, sehe ich andere Betroffene aus einem anderen Blickwinkel. Ich fühle oft das tiefe Leid, die Verzweiflung, die alltägliche Ohnmacht, die Traurigkeit, die diese Störung verursacht, mit. Ich lese, dass sie (obwohl sie selbst denken sie seien schwach) so unglaublich starke Menschen sind. Sie können es nur nicht fühlen, weil sie denken, dass sie vor ihrer Angst wegrennen und versagen. Es ist aber eine unglaubliche Stärke und Kraft sich jeden Tag gegen diese Angststörung zu "Wehr" zu setzen und auch immer voller Hoffnung zu bleiben einen Weg aus dieser zu finden. Manche greifen nach jedem Strohhalm, springen auf jedes neue "offerierte" Programm, auf jede neue Methode an, studieren jede neue Anleitung ... Unermüdlich und mit immer wieder neuem Ehrgeiz. Sie geben niemals vollkommen auf. Manchmal können sie einfach nicht mehr und schnaufen kurz durch, aber irgendwann erheben sie sich wieder und kämpfen weiter.

 

Auch wenn es nicht gleich die Hilfe bringt oder wenn es sich wie eine Niederlage anfühlt... Bitte, gebt nicht auf! Auch aus diesen "Niederlagen" lernt ihr sehr viel über Euch. Es war noch nicht der richtige Weg. Hört auf Eure Gefühle! Schaut Euch Eure Gedanken an! Wenn es sich gut und richtig anfühlt, dann ist der Weg bestimmt nicht falsch. Es reicht leider nicht die Theorie einer Angststörung verstanden zu haben. Es hilft nicht sich zu sagen:" Es ist doch nur Angst!". - Wichtig ist auch diese Gedanken fühlen zu können. Das ist alles andere als einfach.

 

Ich wünsche Euch eine besinnliche Adventszeit ...

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