Reflektion ...

Ewas ist komisch. Es kribbelt in Dir. Unruhe steigt. Sie klettert hoch bis zum Hals. Sie ist der Räuber Deiner Luft. Etwas in Dir zeigt, was Du zu tun hast! Etwas in Dir ist nicht länger zu kontrollieren. .. Ergreife die Flucht! Sofort!  Sonst...

 

Der Körper streikt! Die Grenzen werden gesteckt. Was noch geht, was nicht, das entscheidest nicht Du. Das entscheidet Deine Angst. Vorhaben werden genau überlegt. Jeder mögliche Fluchtweg wird vorweg geplant, jede Ausrede auf die Zunge gelegt, der Kopf spult alle Ideen durch um eine plausible Negation auszusprechen, wenn die Angst schon vorher zu groß wird. Es erst gar nicht dazu kommen lassen, dass Du die Schuhe anziehst und das sicherer Terrain verlassen musst. Es lässt sich nicht gut ertragen, wenn nicht jede Kleinigkeit vorab durchdacht worden ist. Irgendwie über die Zeit retten! Von Punkt A (geschafft...dann weiterschauen) nach Situation B gelangen und vielleicht auch noch das Vorhaben C schaffen. Irgendwie. Es muss gehen, denn es ist doch nur Angst. Aber wird es als solche wahrgenommen? - Nein, gefühlt wird dieses Untier Unruhe, diese Schwäche, die der Körper signalisiert, diese geballten körperlichen Symptome, denen Du nicht Herr wirst. Die Welle, die Lawine, die Dich überrollen könnte, wird und jederzeit kann. Oft spürst Du es vorher, manchmal aber auch nicht. Es ist unkontrollierbar. Ein Sog entsteht, ein Strudel von Gedanken und Symptomen, der an Dir zerrt, sich festklammert und Du nur die Chance siehst es auszuhalten. Irgendwie.

 

Wer kennt diese Gedanken nicht, wenn in seinem Leben "Panikattacken" tägliche Begleiter sind? Wem ist es nicht fremd jeden Morgen aufzuwachen und den Körper auf "Zustand und einwandfreier Funktion" zu kontrollieren? Wer wacht nicht nachts schweißgebadet auf und hört, wie das Herz hämmert`? Wer sieht sich nicht in Gedanken unzählige Male im Rettungswagen liegen? - Jeder Betroffene wird es in dieser Art und Weise auch schon gefühlt und gedacht haben. Warum fällt es so schwer sich aus diesem Teufelskreis zu befreien? Warum gelingt es nicht - NICHT einfach an Fehlfunktionen des Körpers zu denken oder zu glauben, dass die nächste Freifahrt im Krankenwagen Dir gehört? 

 

Nicht alleine der Wille entscheidet irgendwann ob Du Angst hast oder nicht. Automatismen sind am Werk. Und irgendwie, irgendetwas glaubt auch in Dir, dass doch der Körper "Dich im Stich lassen" könnte. Zwanghafte Gedanken!  Du passt also auf. Permanent lauerst Du auf eine mögliche "Notsituation", auf eine "Panikattacke", auf jenen brutalen "Supergau". Ständig bist Du mehr in Dir als im aktuellen Geschehen. Das läuft nebenher. Manchmal schaffst Du es Dich für einige Minuten aus dem Innen zu befreien. Offenbar schöpfst Du in diesen Momenten wieder etwas Kraft, sonst wäre alles nicht auszuhalten. Aber gerade diese "Momente" zeigen Dir, dass Angst "künstlich" entsteht. Immer wenn sie sich in das Geschehen schiebt (automatisch oder durch einen Reiz hervorgerufen) startet das Programm im Unterbewusstsein. Es mischen sich Gedanken mit visuellen Vorstellungen. Stress entsteht, körperliche Symptome entstehen... lösen schlimmere Gedanken aus (Was passieren könnte?) und ein herzliches "Willkommen" an Deine nächste Panikattacke wird folgen.. Auch diese fühlst Du als die "allerschlimmste" und beschreibst sie garantiert: "So schlimm war es noch nie!". Das brennt sich fest und sorgt dafür, dass Du noch besser aufpassen wirst! Futter für die Macht, Nahrung für den Teufelskreis, Miete für die Enge. 

 

Aber können wir das? Können wir aufpassen? Können wir verhindern, was mit uns geschehen wird? Ist unser Geist stärker als unser Körper? Sind wir in der Lage uns überhaupt zu beschützen oder uns vor Unheil zu bewahren? Diese Fragen lohnt es sich zu stellen. Sitzen nicht alle Betroffene vor einer "Glaskugel" und möchten rund um die Uhr wissen, was mit Ihnen in den nächsten Minuten geschehen wird? Suchen nicht alle die Kontrolle, nur um sich sicher zu fühlen? Belügen sie nicht so ihren eigenen Geist?  Dem Unausweichlichen können wir nicht entkommen. Betroffene "befinden" sich mental ausschließlich in der Zukunft und wer es schafft das an sich selbst zu erkennen und diesen Irrsinn zu stoppen, wird seine Angststörung auflösen. Angst kann überhaupt nicht entstehen, wenn sie keinen Platz bekommt. 

 

Für mich das wichtigste Ziel in einer Therapie!